Rhetorik Blackout


Umgang mit Blackout

in Reden, Vorträgen und Präsentationen

von Christoph Dahms
Coach und Trainer seit 1990

Inhalte:

     ►  Grundsätzlich haben Sie zwei Möglichkeiten zum Umgang mit dem Blackout.

     ►  Zehn Blackout-Techniken

1. Atmen Sie ruhig und selbstbewusst durch und bewegen Sie sich.
2. Täuschen Sie eine bewusste Sprechpause vor.
3. Wiederholen Sie den letzten Satz.
4. Stellen Sie eine rhetorische Frage.
5. Fassen Sie die wesentlichen Fakten kurz zusammen.
6. Verschieben Sie die detailliert Behandlung des letzten Punktes.
7. Führen Sie einen Exkurs durch.
8. Stellen Sie einen Antrag zur Geschäftsordnung.
9. Brechen Sie den Satz einfach ab, und formulieren Sie vollständig neu.
10. Regen Sie eine Diskussion an, und geben Sie so dem Publikum die Möglichkeit, seine Meinung zu äußern.

     ►  Wie sollten Sie Ihre Wirkungsmittel beim Blackout einsetzen?

     ►  Wie kann der Umgang mit dem Blackout trainiert werden?

Umgang mit dem Blackout

Dieser Text stellt Ihnen zehn Blackout-Techniken  vor. Außerdem geht es um den Einsatz der rhetorischen Wirkungsmittel in der Blackout-Situation, und es werden Anregungen zum Training gegeben.
Wenn wir in unseren Seminaren oder während unserer Vorträge die Menschen mit der Frage nach der für sie schlimmsten Situation innerhalb einer Rede konfrontieren, wird häufig nicht geantwortet „wenn ich mein Vortragsmanuskript vergessen habe“, „wenn ich schlecht vorbereitet bin“, „wenn die Technik ausfällt“ oder „wenn unfaire Einwände formuliert werden.“ Die wirklichen Schwierigkeiten entstehen, wenn der Faden reißt und wenn nichts mehr einfällt.
Diese plötzliche Gedankenleere im Kopf bereitet manchen Menschen große Furcht. Die Menschen stellen sich vor, wie schrecklich es ist, den nächsten Satz nicht mehr zu wissen. Für sie ist es eine unverzeihliche Peinlichkeit, so rot anzulaufen, wie der Feuerlöscher des Hausmeisters. Vor ihrem geistigen Auge ziehen die schrecklichsten Konsequenzen vorbei. Von A, wie Abmahnung durch den Veranstalter, über S, wie schauerliches Schauspiel, bis Z, wie Zuhörerinnen und Zuhörer verlassen fluchtartig den Saal. Die ganze Energie und Kreativität des Menschen, alle Ressourcen, die der Mensch zur Verfügung hat, richten sich auf die negativen Auswirkungen der plötzlichen Gedankenleere im Kopf. Die Fantasie des Redners macht den wohlwollenden Veranstalter zu einem auf Fehler wartenden sadistischen Henker, der im Falle des Blackouts mit Wonne drohend das Beil schwingt. Das lammfromme Publikum entwickelt sich in der gedanklichen Welt des Geängstigten zu einer blutrünstig geifernden Wolfsmeute, jederzeit bereit, den Redner in Stücke zu reißen, wenn dieser sich auch nur eine kleine Redepause erlaubt. Als Folge dieser fatalen Selbstsuggestion tritt die vorgestellte Situation mit unbarmherziger Präzision ein. Ihr Todfeind namens Blackout steht plötzlich, siegessicher und unangemeldet neben Ihnen auf dem Podium und pocht mit unbarmherziger Gewalt an Ihre Schädeldecke. Sie vergessen den nächsten Satz und wissen nicht mehr weiter. Das sorgsam dargestellte Gedankengebäude fällt in sich zusammen wie ein Kartenhaus bei der leisesten Erschütterung. Ihre Ähnlichkeit mit des Hausmeisters Feuerlöscher nimmt sichtbar zu, und die negativen Konsequenzen sind nur eine Frage von Sekunden. So stehen Sie da, wie ein begossener Pudel, unfähig „wau“ zu sagen. Die Unfähigkeit, dem Blackout die Zähne zu zeigen, wird Ihnen am eigenen Leib praktisch vor Augen geführt.
Mr. Blackout ist jedoch ein sehr zuverlässiger Zeitgenosse. Er kommt nur auf Bestellung. Und den einzigen Bestellschein, den der im Grunde freundliche Mr. B. akzeptiert, ist Furcht vor dem Blackout. Menschen, denen bereits der Gedanke an den plötzlichen Abbruch des Vortrags die Schweißperlen auf die Stirn treten lässt, sind potenzielle Blackout-Opfer. Wer sich mit negativen Programmierungen das Hirn martert, sendet Einladungen in alle Himmelsrichtungen, und Mr. Blackout liebt die Rolle des Überraschungsgastes.
Schlagfertigkeit  ist die Kunst, in jeder Situation die richtigen Worte zu finden. Wer auch in Blackout-Situationen schlagfertig sein will, muss das Problem an der Wurzel anpacken. Der Blackout schöpft seine Kraft aus der Angst vor der Gedankenleere im Kopf.
Viele Menschen haben in Situationen Angst, die unbeherrschbar scheinen, die Unterlegenheitsgefühle vermitteln, für die vergleichbare Erfahrungen fehlen oder in denen schon einmal Misserfolge erfahren wurden. Überall dort, wo unsere Fähigkeiten nicht ausreichen, um die ungewisse Situation zu meistern, sind wir ängstlich. Gelassen und mit viel Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten agieren wir hingegen, wenn wir in der Lage sind, die Situation einzuschätzen, wenn wir uns in der Vergangenheit unser Können bewiesen haben, wenn wir das erforderliche Werkzeug spielerisch handhaben.
Also gilt es jetzt für uns, mit Freund Blackout Erfahrungen zu machen, um uns selbst zu beweisen, dass wir entsprechende Situationen handhaben können. Dazu wollen wir uns das Vorgehen strukturieren. Zuerst werden wir Ihnen zehn Blackout-Techniken zum Verknoten des roten Fadens an die Hand geben. Dann setzen wir uns mit dem Einsatz der rhetorischen Wirkungsmittel in der Blackout-Situation auseinander. Als dritten Bereich werden wir Trainingsmöglichkeiten kurz ansprechen.

Grundsätzlich haben Sie zwei Möglichkeiten zum Umgang mit dem Blackout.

1) Sie geben den Blackout zu. So wirken Sie vielleicht menschlich, offen und eventuell sogar sympathisch, aber nicht als besonders kompetenter Redner. Dennoch kann dieses Verhalten vor sehr wohlwollendem, freundlichem Publikum in Ordnung sein. Beispielsweise könnte der Vater der Braut auf der Hochzeitsfeier der Tochter vor lieben Gästen seine Rede beenden mit „Huch, jetzt ist mir tatsächlich der Faden gerissen. Eigentlich wollte ich noch mehr sagen. Aber jetzt weiß ich auch nicht mehr weiter. Ihr wisst das natürlich auch nicht. Naja. Genug geredet! Schließlich wollen wir feiern. Lasst uns auf das Brautpaar trinken.“
Diese Vorgehensweise ist bestimmt unteroptimal, kann hier aber durchaus eine angemessene Lösung sein.

2) In anderen Situationen ist das Zugeben allerdings vollkommen unmöglich. Wenn Sie beispielsweise an Bundestagsreden, Fachvorträge, Kandidatenvorstellungen oder Vertriebspräsentationen denken. Deshalb werden wir uns im Folgenden damit beschäftigen, wie der Blackout unerkannt bleibt und der Vortragende sicher, souverän und professionell wirken kann.

Zehn Blackout-Techniken

Wir stellen Ihnen zehn Blackout-Techniken vor. Diese Techniken sind in der Theorie recht einfach. Während der Belastung durch den Blackout jedoch, wird ihre Anwendung zu einer Herausforderung, selbst für erfahrene Magier des gesprochenen Wortes. Diese Techniken bauen auf ein gewisses Maß an Kaltschnäuzigkeit und Dreistigkeit im Umgang mit dem Publikum und den eigenen Ressourcen. Und wir bieten Ihnen die Möglichkeiten, diese Fähigkeiten zu erlernen. Bedenken Sie bitte dabei, dass Sie in der Regel die einzige Person im Saal sind, die konkret weiß, wie der nächste Programmpunkt und wie der nächste Satz aussehen wird. Werfen Sie in der Blackout-Situation die gesamte Autorität, die Sie sich als Redner erworben haben, in die Waagschale, und setzen Sie alles auf Sicherheit.
Spätestens in der Blackout-Situation wird es sich auszahlen, wenn Sie einen großen aktiven Wortschatz besitzen und gelernt haben, mit einem Stichwortmanuskript umzugehen. Wer mit Stichwörtern arbeitet, kann sehr viel flexibler in unerwarteten Situationen reagieren, als jemand, der sich an komplett vorformulierte Sätze kettet. Blackout-Techniken leben von der Variabilität des Verhaltens. Wer frei vorträgt, ist deutlich flexibler, wenn es um die Bewältigung plötzlich auftretender Probleme geht. Deshalb lautet eine Grundregel: „Arbeite gelassen mit Stichwörtern, und Deine Wörter lassen Dich nicht im Stich.“
Gelungene Blackout-Techniken setzen voraus, dass Sie über Ihre Körpersprache dem Publikum zu jeder Zeit bewusstes Handeln vermitteln. Alles, was passiert, sollte genau auf diese Weise und genau an dieser Stelle auch geschehen. So räumen Sie einem gelungenen Umgang mit dem Blackout alle Hindernisse aus dem Weg.

1) Atmen Sie ruhig und selbstbewusst durch und bewegen Sie sich.

Viele Menschen atmen falsch und verursachen sich so unangenehmen Druck. Dadurch wird Stress ausgelöst, der den Blackout fördert. Das beste Mittel, um Stress zu begegnen und vorzubeugen, um gelassen und ruhig agieren zu können, ist eine tiefe Bauchatmung (Zwergfellatmung).
Die Bauchatmung ist ein Sicherheitsschalter für Ruhe, Besonnenheit, Distanz und überlegtes (vielleicht sogar überlegenes) Handeln. Einen erheblichen Teil des gesamten Sauerstoffbedarfes des Menschen beansprucht das Gehirn. Wenn Sie sich durch falsche Atmung permanent selbst Sauerstoff vorenthalten, können Mangelerscheinungen auftreten. Das Denken fällt schwerer, die Denkprozesse brauchen mehr Zeit, Stress verstärkt sich. Ein Verunsicherungsprozess setzt ein, sodass Ihnen die richtigen Wörter nicht mehr so schnell und so sicher einfallen.
Nehmen Sie sich in Blackout-Situationen die Zeit zum Ein- und Ausatmen. Atmen bedeutet leistungsfähig zu sein, Energie und Kraft. Bewegen Sie die Bauchdecke bei der Ein- und Ausatmung. So wird deutlich mehr und schneller Luft ausgetauscht. Das lässt sich selbst in der Redesituation bewusst kontrollieren und steuern. Stellen Sie sich schon vor der Redesituation auf die Bauchatmung ein. So können Sie von Anfang an Stress vorbeugen.
Es gibt unbestritten eine Wechselwirkung zwischen Körper und Geist. In der Blackout-Situation tritt geistiger Stillstand ein, der sich körperlich darin äußert, dass der Redner in buchstäblichem Stillstand verharrt. Gedanken stehen so still, wie der arme Redner vor seinem Publikum. Körperliche Bewegung hingegen bringt wieder Schwung in die Gedanken. Das verschafft Ihnen neue Blickwinkel, durch die Sie den roten Faden wieder finden werden. Gehen Sie beispielsweise ruhig und selbstsicher wenige Schritte auf dem Podium hin und her und betrachten Sie die Redesituation aus einer anderen Perspektive. Dieses Vorgehen löst in der Regel schon die Blockade auf.

2) Täuschen Sie eine bewusste Sprechpause vor.

Nutzen Sie den Blackout, um eine kleine Sprechpause zu machen.
Sie senden die Zeichen, mit denen das Publikum umgehen muss. Nehmen Sie sich das Recht, dann Pause zu machen, wann Sie wollen. Nutzen Sie Ihre Autorität. Viele Redner unterschätzen Ihre Autorität, die sie schon dadurch haben, dass sie vor den Menschen stehen. Wer Blickkontakt hält, ein Lächeln auf den Lippen hat und damit die Menschen gewinnt, dem glaubt man, dass er weiß, wann es aus didaktischen oder stilistischen Gründen sinnvoll ist, eine Pause zu machen. Erzeugen Sie den Eindruck, dass jede Pause, die eigentlich dazu dient, einen Blackout zu überbrücken und den roten Faden wieder aufzurollen, ihren pädagogischen oder rhetorischen Sinn hat. So können Sie für sich viele Vorteile in Anspruch nehmen. Eine Pause erleichtert Ihren Zuhörerinnen und Zuhörern das Verständnis, sie verleiht Ihrem Vortrag deutlich mehr Struktur, und Sie betonen durch Pausen das unmittelbar vorher Gesagte und das Kommende. Ihr Publikum profitiert von einer sinnvoll eingesetzten Pausentechnik. Die Pause kann großzügig lang gewählt werden, weil die Zeit für Vortragende und Publikum unterschiedlich verläuft. Als Vortragendem wird Ihnen die Zeit länger vorkommen als dem Publikum. Daher können Sie gemäß Ihrem Gefühl lange Pausen machen. Nutzen Sie diesen Spielraum in der Blackout-Situation. Als Redner haben Sie die Autorität, die Zeit zum Nutzen der Zuhörerschaft einzuteilen.

3) Wiederholen Sie den letzten Satz.

Als kompetenter Vortragender entscheiden Sie, wann, wo und wie Sie Inhalte wiederholen bzw. besondere Details herausstellen. Das rhetorische Mittel der Wiederholung dient der Betonung wichtiger Passagen und Sätze. Sie können es aber auch nutzen, um eine Blackout-Situation zu bewältigen.
Häufig ist der letzte Satz noch im Kopf, auch wenn der nächste sich nicht finden lassen will. Sie können den letzten Satz mit den gleichen Worten wiederholen oder Synonyme wählen. Die Synonymform ist vielleicht etwas eleganter. Egal wie Sie wiederholen, wichtig ist, dass Sie die Betonung gegenüber dem zuletzt genannten Satz geringfügig in Bezug auf Lautstärke, Klangfarbe oder Sprechgeschwindigkeit ändern. So entsteht bei Ihren Zuhörerinnen und Zuhörern der Eindruck, dass Sie einen wichtigen Satz zweimal nennen und Sie gewinnen Zeit zum Nachdenken. Inhaltliche Redundanz lässt dosiert eingesetzt auf eine zentrale These schließen. Diese Technik gilt es sparsam einzusetzen. Damit wird Abnutzungserscheinungen vorgebeugt.

4) Stellen Sie eine rhetorische Frage.

Jede Frage wird zu einer rhetorischen Frage, wenn sie vom Fragesteller selbst beantwortet wird. Eine rhetorische Frage eignet sich besonders gut als Blackout-Technik, weil nach der Frage eine Pause eingelegt wird, die den Blackout überbrückt.
Ziel dieser Technik außerhalb der Blackout-Situation ist es, die Aufmerksamkeit für die gewünschte Antwort des Fragers zu steigern. Ihre volle Wirkung entfaltet diese Frage jedoch nur, wenn Sie nach dem Fragezeichen etwa drei Sekunden Pause machen. Diese Zeit braucht das Publikum, um aus der Rolle des Zuhörenden in die Rolle des Nachdenkenden hinein zu kommen. Nach vollzogenem Rollenwechsel gilt es dann, über die gestellte Frage nachzudenken. Kurz bevor eine eigene Antwort vom Publikum gefunden wird, gibt der Redner die gewünschte Antwort vor. Da so dem Publikum weitere intellektuelle Mühe erspart bleibt, wird die vorgegebene Antwort gerne aufgenommen. Beachten Sie, dass die rhetorische Frage stark steuernd auf die Gedankengänge Ihres Publikums wirkt. Dieser suggestive Charakter der Frage kann vom Zuhörer als belehrend wahrgenommen werden. Deshalb nicht zu häufig einsetzen!
Als Blackout-Technik ist die rhetorische Frage durch die drei Sekunden Denkpause sehr nützlich. Drei Sekunden sind lange in der Blackout-Situation. Diese Zeit können Sie nutzen, um sich gedanklich neu zu sortieren. Außerdem machen Sie sich durch die Fragestellung noch mal klar, an welcher Stelle Sie sich befinden. Das erleichtert Ihnen die richtige Fortsetzung des Vortrags. Die Frage dient also als plausible Ursache für die drei Sekunden Zeitgewinn und als Anhaltspunkt zum Nachdenken.

5) Fassen Sie die wesentlichen Fakten kurz zusammen.

Nicht nur als Blackout-Technik, sondern auch aus pädagogischer Sicht, sind kurze Zusammenfassungen sehr nützlich. Sie geben dem Publikum die Möglichkeit, das Gesagte in prägnanter Form noch einmal aufzunehmen. Sie steigern damit die Verständlichkeit. Zusammenfassungen schaffen Klarheit über den Fortgang des Themas und prägen das Gesagte beim Zuhörer besser ein. Das Publikum kann sich neu orientieren. Außerdem geben Ihnen kurze Zusammenfassungen selbst die Möglichkeit, Ihren roten Faden quasi von Anfang an aufzurollen und so wieder zu finden.
Versetzen Sie sich bitte in folgende Situation. Sie nehmen an einem Vortrag über Blackout-Techniken teil. Der Redner hat bis zum vorherigen Absatz flüssig vorgetragen und weiß nun nicht mehr weiter. Als Blackout-Technik wendet er jetzt die Zusammenfassung an. Er formuliert: „An dieser Stelle sollten wir noch einmal kurz rekapitulieren. So schaffen wir eine gemeinsame Basis für die nächsten deutlich anspruchsvolleren Techniken. – Wir haben uns zunächst den Blackout-Techniken zugewandt. Vier Techniken haben wir bereits kennen gelernt, die körperliche Bewegung als Möglichkeit die Gedanken wieder fließen zulassen, das Vortäuschen einer bewussten Sprechpause, die Wiederholung des letzten Satzes und das Stellen von rhetorischen Fragen. Die fünfte Technik lautet jetzt: ‚Fassen Sie die wesentlichen Fakten zusammen‘. Diese Technik eignet sich besonders für Situationen, in denen …“
Wenn Sie die wörtliche Rede in der Rolle eines Vortragenden gut betont vorlesen, benötigen Sie dazu etwa 15 Sekunden. Dieser kleine Auszug enthält neben der Nennung einiger Gliederungspunkte, die im Ernstfall auf einem Kartenmanuskript immer zur Verfügung stehen, keine wesentlichen Informationen. Es ist also letztlich eine Phase mit wenig neuen Informationen. Das Publikum kann sich entspannen und nachdenken. Eine solche Zusammenfassung gestattet Ihnen, den roten Faden wieder zu finden. Sie können dann in aller Ruhe die beiden Enden des Fadens zusammen fügen und Ihren Vortrag ganz normal mit einem „alles-in-bester-Ordnung-Gesicht“ fortführen. Das Schöne an dieser Technik ist, Sie können Ihre Zusammenfassung beginnen lassen, wo Sie wollen. Unser fiktiver Vortragender könnte auch beginnen mit: „Lassen Sie uns kurz zusammenfassen. Herr Schmidt, der Leiter dieses Bildungswerkes, hat nach einer herzlichen Begrüßung ins Thema eingeführt. Mein Vortrag begann mit einer kurzen Gliederung, die ich Ihnen gerne noch einmal zeige. So können wir feststellen an welcher Stelle des Vortrages …“. Sie beginnen, wo Sie wollen, nur sicher sollte es sein.
Neben den zahlreichen nützlichen Eigenschaften dieser Blackout-Technik, die sie auch bei den schwersten Blackouts einsetzbar machen, gilt es den Anwendungsbereich sinnvoll einzuschränken. Am Anfang einer Rede oder eines Vortrages ist diese Technik eher nicht einsetzbar. Wenn Ihnen im Zuge der Begrüßung des Publikums der Faden reißt, wenden Sie besser eine der anderen Techniken an. Sie können schlecht beginnen mit „Sehr geehrte Damen und Herren, herzlich willkommen zu meinem Vortrag zum Thema „schwierige Redesituationen sicher meistern. – Lassen Sie mich das für Sie noch einmal zusammenfassen. Herzlich willkommen …“

6) Verschieben Sie die detailliert Behandlung des letzten Punktes.

Sie kündigen an, die Informationen, die Ihnen in der Blackout-Situation nicht einfallen, selbst nachzuliefern, oder Sie verweisen auf Dritte.
Es gibt zwei Möglichkeiten des Verschiebens. Die wohl bekannteste Technik ist die Verlegung auf einen späteren Zeitpunkt. Sie ist vielen als Blackout-Technik wenig geläufig. Auch hier sollte zwingend eine Begründung, die sich auf den Nutzen des Publikums bezieht, vorangestellt werden. Sie brechen eine Aussage ab, machen eine kurze etwas besorgt-nachdenkliche Pause und sagen dann: „…Es ist günstiger, wenn Sie noch aufnahmefähiger für diesen wichtigen Punkt sind. Wir werden diesen Punkt nach der Kaffeepause behandeln. Deshalb werden wir die verbleibende Zeit dazu nutzen, um …“ Dass Sie den Punkt dann nach der Pause auch behandeln, versteht sich für den redlichen Rhetoriker von selbst.
Es mag Situationen geben, in denen die weitere Behandlung des Punktes einfach lästig ist, oder es ist unmöglich, weil notwendige Voraussetzungen wie Wissen oder Zeit fehlen. In diesen Fällen eignet sich als zweite Möglichkeit das Verschieben auf eine andere Person. Wenn der Blackout auftritt, brechen Sie die Aussage wieder ab, machen die schon bekannte etwas besorgt-nachdenkliche Pause und fahren dann fort: „… Es ist für alle Interessierte unter Ihnen eine gute Empfehlung, wenn Sie zu dieser Thematik Herrn Fachmann oder Frau Fachfrau befragen. Weitere Informationen werden Ihnen von beiden sicher gerne zur Verfügung gestellt.“
Bedenken Sie beim Einsatz dieser zweiten Variante, dass dieses Verschieben Ihr Auditorium leicht frustrieren kann. Schieben Sie Herrn Fachmann oder Frau Fachfrau zu häufig vor, so wird sich das Publikum fragen, ob der Vortrag von diesen beiden Fachleuten vielleicht viel besser gewesen wäre. Ihre Autorität leidet bei zu häufigem Einsatz dieser Blackout-Technik!
Das Verschieben erleichtert es Ihnen sehr, die Blackout-Situation sicher zu bewältigen. Auch wenn später der fehlende Inhalt nachgeliefert werden muss, haben Sie das Problem zunächst vom Hals. Sie können den so gewonnenen inhaltlichen Freiraum nutzen, um in sichere Gewässer zu steuern.

7) Führen Sie einen Exkurs durch.

Wenn Sie zu einem Thema nichts mehr sagen können, sprechen Sie doch zu einem anderen. Nehmen Sie einen inhaltlichen Umweg, der konkrete Beispiele aus der Erlebniswelt der Zuhörerschaft, Rand- oder Detailthemen beinhaltet, zu denen Sie leicht kompetent weitersprechen können.
Da die Exkurse auch vom Vortragsthema etwas weiter entfernt liegen können, dient eine geschickt gewählte Begründung als Brücke über die inhaltliche Kluft. Sie erleichtert so dem Publikum das aufmerksame Zuhören. Beispiele dazu sind:
     ►  „Um Ihnen das zu verdeutlichen, lassen Sie uns hier das Beispiel … betrachten. In dem Fall von … ist …“
     ►  „Es ist an der Zeit, die graue Theorie durch einige Beispiele aus der Praxis zu untermauern. Viele unserer Kunden …“
     ►  „Weil interkulturelle Beispiele den Blickwinkel erheblich erweitern, möchte ich Ihnen an dieser Stelle ein Beispiel aus einer brasilianischen Kleinstadt darstellen. …“
     ►  „Weil es für Sie sicher wichtig ist, die Inhalte der Veranstaltung in die eigene Praxis umzusetzen, möchte ich jetzt einige Erfahrungen von früheren Teilnehmern verlesen, die erste Praxiserfahrungen mit den Techniken gesammelt haben. …“
     ►  „Viele fragen sich an dieser Stelle, welche Auswirkungen das für … hat. Dazu …“

8) Stellen Sie einen Antrag zur Geschäftsordnung.

Sie haben die Freiheit, organisatorische Einzelheiten zu verändern. Mit dieser Technik lenken Sie die Aufmerksamkeit Ihres Publikums bewusst auf organisatorische Dinge und damit weg von sich selbst und dem Inhalt des Vortrags.
Bemerken Sie, dass die Raumtemperatur zu hoch oder zu niedrig ist oder dass die Luft schlecht ist. Veranlassen Sie, dass ein Fenster geöffnet wird. Fordern Sie einen Zuhörer auf, das Fenster zu schließen oder die Türe zu öffnen. Stimmen Sie den Zeitpunkt für die nächste Kaffeepause mit Ihrem Auditorium ab. Sagen Sie, dass Sie die Geschäftsordnung ändern und schon jetzt einige Fragen gestellt werden können.
Sie haben die Freiheit, die organisatorischen Bedingungen zu Ihrem Vorteil zu verändern. Für einige Augenblicke steht die Raumtemperatur, das Fenster, der freundliche Erfüllungsgehilfe aus dem Publikum oder die Kaffeepause im Rampenlicht. Der Redner führt für ein paar Momente ein Schattendasein. Nützlich, um Gedanken, Manuskriptkarten und Sätze zu ordnen. Haben Sie sich hinreichend gesammelt und tief durchgeatmet, treten Sie wieder wie selbstverständlich an und fahren fort.
Nutzen Sie Ihre Autorität, um in der Blackout-Situation Rahmenbedingungen der Veranstaltung gemeinsam mit Ihrem Publikum zu klären. Sie stehen so weniger im Brennpunkt des Geschehens und können Ihre Gedanken leicht finden.

9) Brechen Sie den Satz einfach ab, und formulieren Sie vollständig neu.

Sollten Sie einen Satz nicht mehr zu Ende bringen können, brechen Sie ihn in der Mitte ab, und formulieren Sie einen komplett neuen Satz.
Sie können in manchen Situationen damit rechnen, dass Sie von rund 50% Ihres Publikums nur als willkommenes Hintergrundgeräusch wahrgenommen werden. Diese dösende Hälfte wird behütet schlafen, wenn Sie sich trotz Blackout ganz normal verhalten. Die wachsame Hälfte muss durch eine gute Begründung für die Neuformulierung Ihres Satzes auf ihren Vorteil hingewiesen werden. Überlegen Sie sich vorteilhafte Einstiegsformulierungen im Vorfeld. Beispielsweise bieten sich an:
     ►  „Lassen Sie mich den Punkt für Sie genauer fassen. …“
     ►  „Ich möchte die Möglichkeit nutzen, Ihnen das Gesagte aus einem anderen Blickwinkel heraus zu beleuchten. …“
     ►  „Nein halt, wie ich Sie einschätze, kann ich diesen Bereich bei Ihnen als bekannt voraussetzen. Stattdessen möchte ich …“
     ►  „Um die letzte Aussage noch etwas zu präzisieren …“
Sie wissen vielleicht aus Ihrer eigenen Erfahrung, wie schwer es ist, einen Schachtelsatz in der Manier von Gerhard Hauptmann richtig zu Ende zu bringen. Ist eine Gliedsatzkonstruktion schwer durchschaubar, weil auf viele Aspekte, vielleicht auf zu viele, Wert gelegt wurde, die für einige Zuhörer, oder die Zuhörerinnen, oder alle im Saal, wesentlich oder doch zumindest der Erinnerung würdig sind, dann kann dieser Kunstgriff auch benutzt werden, um den Rezitierten mit so vielen Einzelinformationen, die zudem noch kunstvoll in Beziehung zueinander gesetzt werden können, voll zu stopfen, dass dieser (inzwischen werden Sie vielleicht fragen, wer den eigentlich) das Ende des Satzes nicht mehr korrekt überprüfen kann. Wer den vorhergehenden Schachtelsatz beim ersten Lesen versteht, ist ein geübter Leser. Wer diesen Satz jedoch beim ersten Hören versteht, der ist ein Genie. Glücklicherweise sind Genies dünn gesät, so dass Sie diese Vorgehensweise dann und wann einsetzen können. Ein Zuhörer hat nicht die Möglichkeit der nochmaligen Wiederholung des Gesagten. Steigt er aus einem Satz verständnismäßig aus, muss er kapitulieren. Wer einmal in einem solchen Satz den Anschluss verloren hat, kann den Redner nicht mehr verstehen und kritisch prüfen. Wenn Sie Ihre Sätze auch mal bruchstückhaft unters Volk werfen, wird es dem Abschlussapplaus keinen Abbruch tun. Achten Sie darauf, dass Ihre rhetorischen Wirkungsmittel einen souveränen Eindruck vermitteln, und strapazieren Sie diese Technik nicht übermäßig. Wird die Neuformulierung von Ihnen in kleinen Dosen eingesetzt, werden Sie weiterhin sicher und selbstbewusst wirken.

10) Regen Sie eine Diskussion an, und geben Sie so dem Publikum die Möglichkeit, seine Meinung zu äußern.

Diese Methode eignet sich insbesondere für Fachvorträge und Präsentationen. Lassen Sie beispielsweise Ihr Publikum mit dem Nachbarn oder in Kleingruppen für einige Minuten eine zentrale These diskutieren. Lassen Sie die Menschen zur Vorbereitung der abschließenden Diskussionsrunde, je zwei Fragen aufschreiben, damit keine Verständnisprobleme in Vergessenheit geraten. So kann die Fragestunde am Ende der Veranstaltung sehr gewinnbringend sein.
Wichtig bei dieser Blackout-Technik ist, dass Sie Ihr Vorgehen für das Publikum vorteilhaft begründen. Nennen Sie zuerst die Begründung und dann die Aufgabe. Einige Beispiele sollen dies verdeutlichen:
     ►  „Weil es an dieser Stelle günstig ist, den Inhalt des Vortrages mit Ihren eigenen Erfahrungen zu vergleichen, bitte ich Sie, die nächsten drei Minuten gemeinsam mit Ihrem Nachbarn Ihre Erfahrungen auszutauschen.“
     ►  „An dieser Stelle ist es üblich, erste Eindrücke zu diskutieren. Welche Fragen …“
     ►  „Die für nachher vorgesehene Diskussion sollten wir gut vorbereiten. Sprechen Sie mit Ihrem Nachbarn und formulieren Sie zwei Fragestellungen, die später noch betrachtet werden sollen.“
Nicht alle Techniken sind in jeder Situation angemessen. Manche helfen eher bei kleineren, andere bei größeren Blackouts. Viele lassen sich kombiniert verwenden. Unsere Erfahrungen aus Seminaren, Coaching, Gesprächen und eigener Vortragstätigkeit zeigen jedoch, dass weit mehr Techniken angemessen sind, als landläufig angenommen wird. Sie haben als Redner enorme Autorität, wenn die Beziehungsebene zwischen Ihnen und Ihrem Publikum einmal aufgebaut ist. Variieren Sie Ihre Möglichkeiten, testen Sie Ihr rednerisches Talent, spannen Sie den Bogen bis an die Grenze. Der Erfahrungszuwachs und die sich einstellende Sicherheit sind erheblich. Blackout-Situationen gehören sicher zum Schwierigsten, was das rednerische Leben zu bieten hat. Schwierige Situationen sind Trainingsmöglichkeiten für Profis, oder Menschen, die es werden wollen.

Wie sollten Sie Ihre Wirkungsmittel beim Blackout einsetzen?

Für den Einsatz der Wirkungsmittel in Blackout-Situationen gilt der Grundsatz: Wirken Sie sicher. Alles, was Sie tun, muss gewollt aussehen. Alles, was Sie sagen, muss gewollt klingen. Selbst, wenn die Bühne unter Ihnen zusammenbricht, erzeugen Sie den Eindruck, dass dies immer an dieser Stelle passiert, dass jeder Handgriff so geplant war, dass jedes gesagte Wort so im Manuskript steht. Vermeiden Sie alles, was auf Unsicherheit schließen lässt. Ihr Publikum wird sehr aufmerksam werden, wenn Pleiten, Pannen oder Peinlichkeiten passieren. Viele Menschen erregen Aufmerksamkeit mit Schwächen, statt mit Stärken. In Blackout-Situationen gilt es, den Zuhörerinnen und Zuhörern Normalität zu bieten. Viele Menschen haben das Gefühl, dass sonst die Meute Blut leckt, die Witterung aufnimmt, angriffslustig wird und vielleicht sogar Wunden schlägt. Gruppen prügeln mit Wonne auf Schwache ein, um das Gefühl der gemeinsamen Überlegenheit auskosten zu können. Deshalb ist diese Grundregel in Blackout-Situationen überlebenswichtig: Seien Sie natürlich, locker und sicher.
Im Folgenden beschreiben wir grob den Einsatz der Wirkungsmittel. Nähere Details haben wir an anderen Stellen veröffentlicht. Beispielsweise finden Sie eine ausführliche Übersicht in dem Dahms-Trainingsbuch „Rhetorik“ oder in „Die Magie der Schlagfertigkeit“. Über die Wirkungsmittel wird die Wahrnehmung des Publikums beeinflusst. Ziel in Blackout-Situationen ist es, beim Zuhörer einen sicheren Eindruck zu machen. Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass für die rednerische Praxis außerhalb des Blackouts, noch zahlreiche andere Regeln zu beachten sind.
a) Haltung
sichere Haltung:
     ►  Füße etwas auseinander
     ►  gleichmäßige Belastung der Beine
     ►  Hände etwa in den Bereich des Bauchnabels
     ►  gerade und aufrecht
     ►  Front zum Publikumszentrum
b) Gestik
Die Gestik dient dazu, das Gesagte optisch zu unterstreichen und zu verstärken. Da Sie im Augenblick des Blackouts gezwungenermaßen schweigen, können Sie guten Gewissens die optische Verstärkung unterlassen. Deshalb halten Sie Ihre Hände ruhig. Häufig sind in diesen extremen Belastungssituationen, Unsicherheitsgesten zu sehen. Da wird am Pullover herumgezupft, verlegen wird der Krawattenknoten kontrolliert, am Ohrring wird hilfesuchend gespielt, der Mund wird verschreckt zugehalten, die Stirn gerieben, die Frisur in einen zerzausten Zustand versetzt. Plötzlich juckt die Nase so intensiv, dass eine verstohlene Kratzbewegung mit dem Zeigefinger leider unumgänglich ist. Nichts ist schlimmer als Verlegenheitsgesten in der Blackout-Situation. Deshalb vermeiden Sie alle Unsicherheitsgesten. Stimmungen übertragen sich von Ihnen auf Ihr Publikum. Dies gilt eben auch für Verlegenheit beim Blackout. Halten Sie Ihr Manuskript ruhig und sicher. Konzentrieren Sie sich auf die Blackout-Techniken, die wir aufgezeigt haben. Gerade im Blackout gilt die Maxime: Geben Sie sich ruhig, kontrolliert, sicher und selbstbewusst. Das Publikum wird Sie in diesem Horizont wahrnehmen.
c) Mimik
Durch mimische Verhaltensweisen werden Stimmungen sehr einfach und effektiv von einem Menschen zum anderen übertragen. Verbreiten Sie Unsicherheit, Hilflosigkeit, Überforderung oder Angst, werden Sie als unsicher, hilflos, überfordert oder ängstlich wahrgenommen. Ein Ruf, der sich lange hält und bedenkenlos auch auf andere Situationen übertragen wird. Genau gegensätzliche Wahrnehmungen gilt es, in der Blackout-Situation zu fördern. Spielen Sie Herz As. Spielen Sie mit Ihrer positiven Ausstrahlung auf. Stechen Sie mit Ihren Trumpfkarten. So kommen Sie nicht nur aus dem Schneider, sondern häufen solange Augen an, bis Sie schließlich gewinnen. Werfen Sie mimisch rote Rosen in die Menge. Setzen Sie auf Freundlichkeit. Gewinnen Sie mit Ihrem charmantesten Lächeln. Haben Sie in den fetten Zeiten die Beziehung zum Publikum gepflegt, und sind Sie mit Ihrem Lächeln nahezu verschwenderisch umgegangen, so können Sie in den mageren Zeiten darauf zurückgreifen. Angemessen positive Ausstrahlung versetzt Berge auf der Beziehungsebene. Und das nicht nur wenn sich ein Blackout einstellt, sondern auch wenn Einwände formuliert werden, wenn Störer aktiv werden, oder allgemein, wenn Schwierigkeiten auftauchen. Umwerben Sie das Publikum auch während des Blackouts mit einer souveränen, positiven Mimik. Sie verbreiten so positive Stimmungen, und die Menschen werden Ihnen gerne weiterhin zuhören.
d) Blickkontakt
Der Kontakt zu Ihren Zuhörerinnen und Zuhörern ist überlebenswichtig in allen monologischen Situationen. Wer offen ist für das optische Feedback seiner Zuhörer, kann viel besser sprachliches und nichtsprachliches Verhalten auf seine Hörerschaft abstimmen, als jemand, der ohne diese wichtige Rückkopplung auskommen muss. Besonders jedoch in Belastungssituationen dient der Blickkontakt als wichtige Antenne für Reaktionen des Gegenübers. Der Blackout gehört zu den heikelsten Augenblicken in einer Rede. Das weiß jeder, dem schon einmal vor Publikum der rote Faden gerissen ist. Reißt nicht nur der rote Faden ab, sondern zusätzlich auch noch der Blickkontakt und damit der Kontakt zu Ihrem Publikum, wird das entstehende inhaltliche Vakuum schnell unerträglich groß. Die Menschen fühlen sich alleine gelassen, ohne Anleitung und desorientiert. Die Rolle des Zuhörers kann ohne flüssig sendenden Redner nicht mehr sinnvoll aufrecht erhalten werden. Rollenkonflikte treten in der Hörerschaft auf, Gedanken entfernen sich vom Inhalt der Darstellung. Menschen werden buchstäblich unsachlich. Zunächst leben sie das zwar nicht nach außen, aber die Gefahr, dass eine derartige latente Unsachlichkeit offen zu Tage tritt, ist immer gegeben. In der Spitze kann es zu dem „abstimmen durch die Füße“ kommen. Blickkontakt ist die Brücke zum Publikum, gerade in schwierigen Passagen. Suchen Sie in der Blackout-Situation den Blickkontakt zu den Menschen. Bevorzugen Sie dabei Personen, die Ihnen spontan sympathisch sind. Häufig beruht diese Sympathieempfindung auf Gegenseitigkeit. Ihre Beziehungsebene ist zu diesen Menschen besonders gut. In Belastungssituationen können Sie diese Sympathieträger als positive Rückmelder nutzen. Diese werden Ihnen auch während des Blackouts wohlwollend zunicken und Sie anlächeln. Damit Sie diese Streicheleinheiten wahrnehmen können, brauchen Sie nur eines: Blickkontakt zum Publikum.
e) Outfit
Sie können sich zur Bewältigung des Blackouts in der Regel nicht mal eben umziehen. Ein häufig dringend notwendiges trockenes Hemd ist unerreichbar fern. Sie sind in Ihre Garderobe buchstäblich hineingezwängt, sie klebt Ihnen am Körper, hautnah. Akzeptieren Sie es. In Belastungssituationen neigen Menschen dazu, den Sitz Ihrer Kleidung zu perfektionieren. Es wird vor lauter Unsicherheit die Jacke auf- und zugeknöpft. Die Frisur korrigiert und der Sitz des Schmucks kontrolliert. Diese Korrekturen des Outfits können vom Publikum als Unsicherheiten wahrgenommen werden. Unterlassen Sie alle Berichtigungen Ihres Outfits.
f) Sprache
Während des Blackouts wird leider nicht gesprochen, darin liegt ja das Wesen des Blackouts. Die Sprache fällt als Wirkungsmittel aus. Lassen Sie es nicht soweit kommen. Häufig kündigt sich ein Blackout kurz vorher an. Beim Formulieren kommt er plötzlich in Sicht. Wenn Sie bemerken, dass es immer enger wird, dass das Formulieren immer schwerer fällt und Sie den roten Faden immer mehr anspannen, so sprechen Sie langsam und langsamer. Sie haben genügend Zeit und Ihr Publikum bekommt den Eindruck, dass Sie Ihren Worten einen besonderen Nachdruck verleihen möchten. Viele Menschen neigen gerade in Blackout-Situationen dazu, schnell und hektisch zu sprechen. Dabei gilt es genau das Gegenteil zu tun. Sprechen Sie langsam, machen Sie Pausen. Betonen Sie die Worte. In dem Moment, wo Sie die Betonung wechseln, erzeugen Sie bei den Zuhörerinnen und Zuhörern Aufmerksamkeit. Nutzen Sie die Fähigkeit, Sätze langsam und betont auszusprechen. Außerdem entlasten Sie durch dieses Verhalten Ihre Sprechwerkzeuge.
Nun wissen Sie, wie die rhetorischen Wirkungsmittel in der Blackout-Situation einzusetzen sind. Prinzipiell handelt es sich um die Ausrichtung des rhetorischen Instrumentariums auf Sicherheit. In der Regel wird der Blackout so unbemerkt bleiben, oder Ihnen wird der Blackout verziehen. „Das kann auch dem Geübtesten mal passieren“ ist eine nicht seltene Reaktion der Zuhörerschaft. Was jedoch dann nur noch selten auf Verständnis beim Publikum trifft, ist, wenn mit dem eingetretenen Blackout unsicher umgegangen wird. Ist der Umgang mit dem Blackout unsicher, schwach und hilflos, so wird behauptet werden, dass der Redner seine Kunst nicht beherrsche. Ist der Umgang mit dem Blackout jedoch sicher, stark und selbstbewusst, so wird sich der Ruf von einem Redner, der seine Kunst in Belastungssituationen sehenswert und hörenswert beherrscht, in Windeseile verbreiten. Ein solches Juwel ist selten, wird bestaunt, und ihnen gebührt ein besonderer Platz unter den Erben Ciceros. Wer, auch wenn es schwierig wird, die Zügel noch fest in der Hand hat, gilt als kompetent, erfahren und vertrauenswürdig. Wer rednerische Krisen sicher bewältigt, kann den sich so erworbenen Ruf als Krisenmanager auch in andere Situationen und Wissensgebiete retten. Wer sich diese Techniken aneignet, wird noch eine interessante Erfahrung machen. Mr. Blackout wird ein sehr seltener Gast werden. Blackout-Techniken werden letztlich erlernt, um sie nicht anzuwenden. Je sicherer Sie werden, umso weniger Gelegenheit geben Sie sich, diese Techniken dann auch in der rednerischen Praxis anzuwenden. Sie warten auf den Besuch von Mr. B., doch so gern Sie sich auch mit ihm messen möchten, so gern Sie sich selbst beweisen möchten, dass Sie mit derartigen Situationen spielend umgehen können, so sehr lässt der Herr mit dem englischen Namen auf sich warten. Es macht diesem Gentleman keinen Spaß, ausgebufften Profis als Trainingspartner zu dienen. Er möchte Angst, Schweiß und Schrecken verbreiten, und er weiß, dass er bei Ihnen da endgültig an der falschen Adresse ist.

Wie kann der Umgang mit dem Blackout trainiert werden?

Das Publikum hat nur eine Chance, das Geplante vom Ungeplanten zu unterscheiden. Alleine Sie bieten diese Chance über den unsicheren Einsatz der Wirkungsmittel und über unzureichende Beherrschung der bewährten Techniken zur Bewältigung von Blackouts. Sie sind wesentlich verantwortlich für die Wahrnehmung Ihres Publikums. Ein kaltschnäuziger Einsatz der Wirkungsmittel verbirgt jeden Blackout. Blackout-Techniken stellen die hohe Schule der Rhetorik dar. Es ist Training erforderlich, um auch in Stresssituationen alle Register überlegt und überlegen ziehen zu können. Dieser Aufwand lohnt sich. Der Zuwachs an Sicherheit, den wir in unseren Seminaren und Coachingprozessen zum Thema „Rhetorik“ während des Trainings der Blackout-Techniken regelmäßig miterleben, ist gewaltig. Als Bonus lässt sich die gewonnene Sicherheit auch in anderen Lebensbereichen anwenden.  Sie haben mit uns folgende Trainingsmöglichkeiten:

Seminarbesuche: Nutzen Sie die Dahms-Seminare zum Thema „Rhetorik“, um Ihre rednerischen Fähigkeiten weiter zu entwickeln. Ferner ist für Sie eine Ausbildung ergänzenden Bereichen der Kommunikation notwendig. Beispielsweise sollten Sie zumindest folgende Trainingsveranstaltungen besuchen:
     ►  Moderation
     ►  Schlagfertigkeit

Coaching: Für diejenigen, die eine ganz besondere Qualität Ihrer monologischen Auftritte erreichen möchten, empfehlen wir das Dahms-Coaching. Dieses Angebot ist besonders empfehlenswert für Menschen, die schwierige monologische Auftritte vor sich haben oder eine besondere rednerische Kompetenz entwickeln wollen. Sehr schnelle persönliche Entwicklungen sind hier möglich.

     ►  Rhetorikcoaching

Literatur: Folgende Veröffentlichungen bieten sich für Menschen an, die gerne eigenständig ihre Rhetorik trainieren möchten.Lesen ist die Quelle des Wissens

Mit Worten überzeugen- Rhetorik:
     ►  Band 9: Rhetorik – Die Kunst der Rede; Rede-, Vortrags- und Präsentationstechniken
     ►  Band 14: Begeisterungstraining – sich selbst und andere motivieren und begeistern
     ►  Band 1: Moderation – Gruppen und Teams effizient leiten
     ►  Band 8: Schlagfertigkeit – spontan mit Sprache spielen
     ►  Die Magie der Schlagfertigkeit
     ►  Band 2: Smalltalk und Flirten – Die Kunst des „kleinen Gesprächs“

Längerfristige Ausbildungen: Viele Menschen nutzen unsere verschiedenen Ausbildungen, um sich in sehr intensiver Form mit Rhetorik auseinanderzusetzen.

     ►  Ausbildungen-Längerfristige Ausbildungen des DPI

     ►  Rhetorikschule

Durch die verschiedenen Trainings- und Coachingteile werden sehr effektiv persönliche Fähigkeiten entwickelt. Diese Weiterbildungen bieten Ihnen eine besondere Möglichkeit der Persönlichkeitsentwicklung.

Nehmen Sie Kontakt mit uns auf. Wir beraten Sie gerne.

© Christoph Dahms, 2015