Christoph Dahms Smalltalk


Interview mit Christoph Dahms zum Thema „Smalltalk“

Diese ausgesuchten Fragen werden im Text beantwortet:

1. Warum ist der Smalltalk heute so wichtig?

2. Reicht es nicht, authentisch und offen für andere Menschen zu sein?

3. Was ist Smalltalk genau?

4. Wie grenzen Sie den Smalltalk vom Flirten ab?

5. Welche Themen sind für den Smalltalk geeignet?

6. Wer kommt alles zu Ihnen, um den Smalltalk besser zu beherrschen?

7. Mit welchen Fragestellungen kommen die Menschen in die Seminare?

8. Wie schafft man es, angstfrei einen Smalltalk gerade auch mit unbekannten Menschen zu beginnen?

9. Kann man den Smalltalk auch ablehnen, ohne dass sich der Gesprächspartner verletzt fühlt?

10. Welche Tipps geben Sie Ihren Seminarteilnehmern hinsichtlich der Körpersprache?

11. Was sind genau Spiele im Smalltalk und wie sollte man sich verhalten?

12. Was sind die wichtigsten Tipps für einen gelungenen Smalltalk?

 

Das Interview:

1. Herr Dahms, danke, dass Sie uns für ein Interview zum Thema „Smalltalk“ zur Verfügung stehen. Sie führen seit vielen Jahren Seminare zu diesem Thema durch und sind einer der führenden und erfahrensten Experten. Warum ist der Smalltalk heute so wichtig? Wieso möchten Menschen ihren Smalltalk verbessern?

Christoph Dahms: Die „Kunst des kleinen Gesprächs“ ist bei den meisten Menschen alltäglich gefragt. Diese Kommunikationsform ist eine der häufigsten überhaupt und deshalb besonders wichtig. Gleichzeitig spüren viele Menschen hier Defizite.
Viele kennen folgende Situation von Partys, Kongressen, Kneipenbesuchen, Empfängen, Discothekenbesuchen, Zug- oder Flugzeugreisen: Sie begegnen unerwartet einer bezaubernden Dame oder einem charmanten Herren. Eventuell ist der andere Mensch eine wichtige Persönlichkeit, mit der Sie gerne eine lockere Unterhaltung führen möchten. Vielleicht leitet er ein großes Unternehmen, mit dem Sie gerne in Geschäftsbeziehung treten würden. Vielleicht ist Ihnen der Mensch auch vollkommen unbekannt, einfach nur nett oder hat eine besondere Ausstrahlung. Sie würden gerne mehr erfahren und eine angenehme unterhaltsame Zeit verbringen. Sie möchten mit dem anderen unverbindlich ins Gespräch kommen und hoffen vielleicht auf den Beginn eines dauerhafteren Kontaktes. Hier ist dann guter Smalltalk entscheidend für die Entwicklung des weiteren Geschehens.
Für viele Menschen ist es schwierig, in solchen Situationen einen attraktiven Smalltalk zu beginnen oder zu führen.
Im privaten Bereich führen schlechte Smalltalkfähigkeiten vielfach zu Kontaktarmut. Wer möchte schon gerne mit einem wortkargen, einsilbigen Menschen Essen oder Tanzen gehen? Wer will sich gerne in seiner Freizeit über unangenehme Themen unterhalten? Wer privat keinen attraktiven Smalltalk pflegen kann, steht schnell alleine da.
Im geschäftlichen Bereich werden Smalltalk-Kompetenzen in der Regel erwartet. Sehr häufig stellt er die erste Phase von wichtigen Gesprächen dar, die dazu dient, das Eis zu brechen und für eine gute Stimmung zu sorgen.
Das zeigt wie notwendig Smalltalkfähigkeiten für den privaten und beruflichen Erfolg sind.
Dazu kommt, dass in einer häufig um technische Rationalität bemühten Gesellschaft gerade der Smalltalk als nebensächliches Gerede diffamiert wird und so nicht ausreichend trainiert wird. Viele Menschen konsumieren Unterhaltung anstatt sich zu unterhalten. Wenn diese Menschen dann ganz persönlich und manchmal leidvoll erkennen, was wissenschaftlich seit Jahrzehnten bekannt ist, dass ein wesentlicher Teil der menschlichen Kommunikation außerhalb von Sachauseinandersetzungen stattfindet, ist der Wunsch nach professionellem Smalltalk und damit Smalltalktraining da.
Wer von sich oder seiner Sache überzeugen möchte, muss zunächst als Mensch überzeugen. Dazu helfen Kompetenzen im Bereich „Smalltalk“.


 

2. Manche Menschen sagen ja, dass es ausreicht, stimmig zu sein. Entsteht nicht automatisch ein guter Smalltalk, wenn man sich so gibt wie man ist? Reicht es nicht, authentisch und offen für andere Menschen zu sein?

Christoph Dahms: Stimmiges Auftreten ist im Smalltalk sehr wichtig. Denken Sie beispielsweise an Komplimente. Wenn Menschen anderen etwas sehr Positives, Lobendes, Anerkennendes sagen, ist es entscheidend, dass diese Botschaften „von Herzen“ kommen. Sonst werden Komplimente schnell als unwahr oder unecht erkannt. Der Sender wird dann bestenfalls als berechnender Schmeichler und schlimmstenfalls als ironischer Spötter wahrgenommen. Deshalb halte ich sehr viel von stimmigem Auftreten, wenn darunter verstanden wird, in der Situation nur das zu zeigen, was in einem selbst ist. Das heißt ausdrücklich nicht, immer alles zu zeigen, was in einem ist! Allerdings sollten Menschen nicht daraus den falschen Schluss ziehen, dass sie sich ja dann nicht mehr entwickeln müssten. Das ist ein häufiges Missverständnis, das mir immer wieder im Zusammenhang mit Kommunikationstraining und Persönlichkeitsentwicklung begegnet.
Die Menschen, die in meine Seminare kommen oder sich von mir im Bereich „Smalltalk“ coachen lassen, wollen mit vielen anderen unterschiedlichen Persönlichkeiten einen guten Smalltalk führen. Sie möchten beispielsweise beruflich oder privat offen auf fremde Menschen zugehen und sich dann attraktiv unterhalten und Kontakte knüpfen. Das gelingt nur dann umfassend, wenn sie sehr flexibel auf andere eingehen können. Und hier ist der Unterschied zu denjenigen, die sagen, dass es ausreicht, authentisch im Sinne von eingeschränkt auf seine bisherigen Eigenschaften, Fähigkeiten und Themen zu sein.
Auch beispielsweise der Mensch, der sich „authentisch“ auf seine Lieblingsthemen im Smalltalk fokussiert, wird einen begrenzten Erfolg haben. Er kann dann mit denjenigen Smalltalk machen, die auch seine Themen mögen. Der Fußballfan wird immer mit anderen gleichgesinnten Fußballfans einen guten Smalltalk haben können. Oder denken Sie an Menschen, die „authentisch“ schlechte Laune verbreiten. Selbst diese können mit anderen pessimistischen Personen gemeinsam schimpfen und so eine gute Unterhaltung führen.
Der wahre Könner im Smalltalk wird mit sehr vielen unterschiedlichen Menschen die „Kunst des kleinen Gesprächs“ ausüben können. Menschen, die beispielsweise in anderen Lebensphasen sind, andere Berufe und Ausbildungen haben, andere Werte leben, aus anderen sozialen, religiösen, politischen, lokalen Umfeldern kommen oder andere Hobbys ausüben, sind die Prüfsteine für einen professionellen Smalltalk.
Ich kann also durchaus die Aussage, dass authentisches Auftreten im Smalltalk „ausreichend“ ist, unterstützen, wenn gleichzeitig akzeptiert wird, dass sich die Persönlichkeit, die im Smalltalk agiert, positiv entwickeln und so auf einem „höheren“ Niveau authentisch sein kann.


 

3. Sie haben uns jetzt schon einiges über die Kunst des Smalltalks berichtet. Was ist denn Smalltalk genau?

Christoph Dahms: Smalltalk ist die Kunst, mit anderen Menschen leicht und unverbindlich zu plaudern. Es geht um die Alltagssituationen, in denen ein unterhaltendes lockeres Gespräch stattfindet, das den beteiligten Menschen Spaß macht. Smalltalk lässt sich insofern von denjenigen Gesprächen abgrenzen, in denen es um Problemlösung, Überzeugungstransfer oder Ähnliches geht, wenn wir einmal davon absehen, dass wir von uns selbst im Smalltalk überzeugen möchten, indem wir uns als „attraktive Gesprächspartner“ verkaufen. Ansonsten findet Überzeugungstransfer nur in sehr beschränktem Umfang statt, wenn er unmittelbar mit der Smalltalkszene zu tun hat. Beispielsweise kann es auf einer Feier schon Smalltalkinhalt sein, den anderen von einem Spaziergang durch den Park zu überzeugen. Die immer wieder beispielsweise auf Partys zu beobachtende Vertiefung in Sachauseinandersetzungen, die leidenschaftlich und vehement mit dem Ziel geführt werden, andere Partygäste zu seinen eigenen Weltanschauungen zu bekehren, ist bestimmt nicht mehr Teil des Smalltalks.


 

4. Herr Dahms, Sie bringen Menschen ja auch das Flirten bei, was auch ein sehr spannendes Thema ist. Wie grenzen Sie den Smalltalk vom Flirten ab?

Christoph Dahms: Beim Smalltalk bleiben die persönlichen Distanzen während der gesamten Kommunikation in etwa gleich, auch wenn im Verlauf meistens eine gesteigerte Offenheit entsteht. Die Informationen über den Smalltalkpartner erhöhen sich häufig in dem Maße, wie Menschen bereit sind, auch von sich selbst Informationen zu geben.
Beim Flirt ist ein wesentlich stärkerer Beziehungsanteil typisch. Flirt kann bestimmt werden als die Kunst, anderen Menschen persönliche Zuneigung durch gekonnten Wirkungsmitteleinsatz in scherzhafter verspielter Form zu signalisieren. Der Flirt dient dazu, eine erotisch motivierte, spielerische, unverbindliche Annäherung zu einem anderen Menschen zu schaffen. Die Beziehung kann also im Verlauf des Flirtens eine sehr persönliche werden, während sie sich beim Smalltalk nur wenig ändert. Beispielsweise können beim Flirten sehr geringe körperliche Distanzen bis hin zu Berührungen in Ordnung sein, falls beide dies möchten. Im Smalltalk wäre das in unserem Kulturkreis eine unangemessene Grenzüberschreitung. In der Praxis ist es manchmal nicht ganz leicht zu unterscheiden, ob eine Kommunikationssituation noch Smalltalk oder schon Flirten ist, weil beide Kommunikationstypen von den Kommunikationstechniken, der Ansprache von Themen und diverser anderer Regeln her doch auch zahlreiche Ähnlichkeiten aufweisen.


 

5. Gibt es im Smalltalk irgendwelche inhaltlichen Tabus? Welche Themen sind denn für den Smalltalk geeignet?

Christoph Dahms: Wir können zwischen eher geeigneten und eher ungeeigneten Themen unterscheiden. Zu den meistens recht positiv aufgenommenen Smalltalkthemen gehören Inhalte rund um den Freizeitbereich. Sehr gerne unterhalten sich die meisten Menschen aus unserem Kulturkreis über ihr Hobby, Reisen, Garten, Haustiere, Kultur, Sport und ähnliche Themen. Zu den Themen, die im Smalltalk eher Tabu sind, gehören beispielsweise Politik, Religion, Sex, Krankheit, Tod und Geld. Eine wirklich scharfe Grenze kann allerdings nicht gezogen werden. Ob ein Thema tatsächlich ein Spaßthema ist, entscheidet letztlich immer das Gegenüber. Beispielsweise ist das Thema Urlaub in der Regel ein sehr positives Smalltalkthema. Doch wenn Ihr Gegenüber gerade den Horrortrip seines Lebens hinter sich hatte, wird er sich dabei nicht besonders gut fühlen und keinen Spaß haben. Andererseits können Themen, die eher problematisch sind, im Smalltalk zu hervorragenden Spaßthemen mutieren. Beispielsweise wird das Themenfeld Politik als wichtigstes Smalltalkthema bei vielen Stammtischrunden sehr gerne aufgenommen. Oder denken Sie an das Thema Fußball. Für manche Menschen ist es am Montag immer das Größte, mit Arbeitskollegen über das Fußballgeschehen am Wochenende zu sprechen. Doch andere könnten weglaufen, wenn nur das Wort Fußballbundesliga fällt. So unterschiedlich wie die Menschen, sind auch ihre Vorlieben bei Smalltalkthemen.
Für diejenigen, die die Kunst des Smalltalks sehr gut beherrschen möchten, sind folgende drei Punkte wichtig:
Erstens sind gute Smalltalker offen für die Lieblingsthemen anderer Menschen. Sie können sich mit angemessenem Interesse über „Gott und die Welt“ unterhalten.
Zweitens verfügen sie über die Fähigkeit, schnell Themen zu wechseln, wenn sie feststellen, dass der andere sich bei einem Thema nicht so wohl fühlt.
Drittens können sie Themen auch passend ausnutzen.
Diese Fähigkeiten erfordern eine hinreichende Sprachbeherrschung und sind mit relativ geringem Aufwand lernbar.
Was meinen Sie genau damit, dass gute Smalltalker Themen ausnutzen können?
Christoph Dahms: Lassen Sie mich das an zwei Beispielen erklären. Es gibt Menschen, die beispielsweise eine sechs monatige Weltreise unternehmen, und wenn sie dann gefragt werden: „Und wie war’s?“, kommt die Antwort: „Gut!“. Damit endet der Reisebericht.
Andere machen einen halbstündigen Spaziergang durch den Stadtpark und können hinterher 45 Minuten davon interessant und unterhaltend erzählen.
Das meine ich beispielsweise damit, Themen im Smalltalk ausnutzen zu können. Viele haben die Schwierigkeit, im Smalltalk geeignete Themen zu finden. Wenn wir dann solche Smalltalkszenen analysieren, stellen wir häufig fest, dass schon genügend Themen vorhanden waren, diese jedoch ungeschickt schnell abgehandelt wurden. Das macht dann einen enormen Druck, immer wieder neue Themen finden zu müssen. Eine wichtige Kompetenz in diesem Zusammenhang ist die Kunst, gut erzählen zu können.


 

6. Wer kommt alles zu Ihnen, um den Smalltalk besser zu beherrschen?

Christoph Dahms: Bei der Kunst des Smalltalk geht es darum, auf unterhaltsame Weise eine gute Zeit miteinander zu verbringen. Smalltalk findet also bei sehr vielen Freizeitbeschäftigungen, und auch in zahlreichen beruflichen Zusammenhängen statt. Insofern ist das Smalltalktraining für jeden sinnvoll, der in solchen Situationen besser werden möchte. Beispielsweise kommen viele Menschen zu mir, die erfolgreicher Kontakte knüpfen möchten. Manche mit eher privatem, andere mit beruflichem Interesse. Auch viele junge Menschen, die in das Berufsleben einsteigen möchten, sind an Smalltalk interessiert. Beispielsweise in Einstellungsinterviews und Assessmentcentern wird zunehmend auch auf Fähigkeiten in diesem Bereich geachtet. Wer sich dann als unsensibler Stoffel präsentiert, kann auch mit besten Noten häufig nichts erreichen. Smalltalk gehört ähnlich wie Rhetorik, Gesprächsführung und Schlagfertigkeit zur umfassenden Persönlichkeitsbildung dazu. Es macht sehr viel Spaß, sich damit zu beschäftigen.
Viele Teilnehmer sind auch auf der Suche nach neuen privaten Beziehungen und besuchen dann zunächst unsere Seminare zum Thema „Smalltalk“ um einen Einstieg in die Thematik „Flirten“ zu gewinnen. Vieles, was für den Smalltalk gilt, ist ja auch beim Flirten wichtig. In speziellen Flirtseminaren werden dann allerdings noch weitere Tricks und Kniffe rund um die Flirtsituation vermittelt und vor allem spezielle Übungen hierzu durchgeführt. Smalltalk und Flirten lernen Menschen insbesondere durch angeleiteten und reflektierten Smalltalk und Flirt.
Führungskräfte entdecken auch zunehmend die Bedeutung von Smalltalk für ihre Führungspraxis und stellen dann vielfach schnell fest, dass sie bei dieser Kommunikationsform Defizite haben. Das liegt nicht daran, dass der Smalltalk so schwierig ist, sondern daran, dass er nicht professionell für die Führungspraxis trainiert wird. Beispielsweise werden ja bei der Führungskräfteentwicklung kommunikative Schwerpunkte vielfach nur in den Bereichen Delegation, Präsentationstechnik, Zielvereinbarung, Kritik, Anerkennung, Motivation, Konfliktmanagement und Moderation gesetzt. Dabei wird dann häufig die elegante Möglichkeit des Smalltalks außer Acht gelassen. Viel Beziehungsarbeit in der Führungsinteraktion lässt sich im Smalltalk locker und effizient erledigen. Auch gibt der Smalltalk der Führungskraft ein Szenario, in dem sie weniger förmlich die Situationen der Menschen ihres Bereichs analysieren kann. Deshalb werden verstärkt auch speziell für Führungskräfte Smalltalkschulungen durchgeführt.


 

7. Mit welchen Fragestellungen kommen die Menschen in die Seminare?

Christoph Dahms: In den Seminaren ähneln sich die kommunikativen Probleme, die viele Menschen mit der „Kunst des kleinen Gesprächs“ haben. Es gibt ja Seminare für Führungskräfte, für Menschen aus dem naturwissenschaftlich-technischen Bereich oder auch für sehr heterogene Teilnehmergruppen. Andere Veranstaltungen werden offen ausgeschrieben, sodass sich jeder anmelden kann. Typische Fragen meiner Teilnehmer sind beispielsweise:
     ►  Wie spreche ich fremde Menschen an?
     ►  Über welche Themen kann ich mich angenehm unterhalten?
     ►  Welches sprachliche Niveau ist angemessen?
     ►  Welche rhetorischen Fähigkeiten sind notwendig?
     ►  Wie führe ich die Unterhaltung auch länger fort?
     ►  Wie gehe ich mit Schweigen um?
     ►  Wie sorge ich dafür, dass der andere Mensch sich in meiner Gegenwart wohl fühlt?
     ►  Bin ich attraktiv für den anderen Menschen, oder werde ich vielleicht abgelehnt?
     ►  Nimmt das Gegenüber mir übel, wenn ich einfach so loslege?
     ►  Was mache ich, wenn etwas schief läuft?
     ►  Soll ich nicht besser warten bis der andere Mensch mich anspricht oder wir einander vorgestellt werden?
     ►  Welche Körpersprache ist die richtige?
     ►  Wie verhalte ich mich in Gruppen? Wie gehe ich in Gruppen hinein?
Im Grunde genommen haben die Menschen Fragen zu dem gesamten Ablauf des Smalltalks. Angefangen bei der Begrüßung bis hin zur Beendigung des Gesprächs. Eine besondere Herausforderung sind schwierige Situationen im Smalltalk. Vielleicht ist jemand Gastgeber und der Smalltalk unter den Gästen dreht sich um sehr negative Themen. Oder es droht Streit. Auch die Szenen mit unangenehmen Gesprächspartnern wie Vielrednern, Besserwissern, Aufschneidern, Miesepetern und Schweigern sind besonders anspruchsvoll. In den Seminaren werden Tricks und Kniffe besprochen, mit denen man die circa dreißig schwierigen „Typen“ im Smalltalk in den Griff bekommt. Das gibt den Teilnehmern viel Selbstsicherheit.


 

8. Manche Menschen haben Angst andere anzusprechen. Insbesondere Fremden gegenüber ist das ja auch manchmal nicht ganz so einfach. Wie kann man diese Angst in den Griff bekommen? Wie schafft man es, angstfrei einen Smalltalk gerade auch mit unbekannten Menschen zu beginnen?

Christoph Dahms: Die häufigste Angst, die die Menschen beim Smalltalk haben, ist die Angst, abgelehnt zu werden. Wichtig ist zu akzeptieren, dass die Ansprache anderer Menschen ein Angebot für Smalltalk ist. Dieses kann, wie alle Angebote, angenommen oder abgelehnt werden. Jeder kann solche Angebote machen und gemachte Angebote annehmen oder ablehnen. Das ist Teil des Spiels und sollte akzeptiert sein. Es gibt keinen Zwang zu Smalltalk. Eine Ausnahme bilden hier manchmal berufliche Situationen, in denen Menschen mit Gesprächspartnern Smalltalk machen müssen, die sie auf einer Gartenparty links liegen lassen würden.
Menschen, die sich davor fürchten, Fremde anzusprechen, sollten den Smalltalk als Spiel akzeptieren, das zwei mögliche Verläufe hat. Entweder der andere Mensch macht mit oder nicht. Den meisten Menschen hilft schon diese Sichtweise, lockerer mit der Ablehnung zu Recht zu kommen und die emotionalen Belastungen zu verringern. Wenn das Negative akzeptiert wird, verliert es eine guten Teil seiner Angst auslösenden Eigenschaft.
Häufig rührt die Angst auch daher, dass Menschen keine angemessenen Methoden beherrschen, um mit anderen den Smalltalk zu beginnen. Hier hilft es, bewährte Kommunikationstechniken zu lernen und intensiv unter Anleitung zu trainieren.
Eine der wirksamsten Möglichkeiten, um seine Ängste zu reduzieren, besteht darin, Routine im Smalltalk zu gewinnen. Viel Erfahrung mit Smalltalk reduziert erfahrungsgemäß sehr schnell alle Ängste. Dazu bietet sich natürlich zunächst der geschützte Rahmen von Seminaren an. Wem das zu aufwendig erscheint, der sollte einfache unbedeutende Gelegenheiten zum Smalltalk nutzen. Solche Möglichkeiten sind zahlreich und bieten sich den meisten Menschen alltäglich. Hier kann dann gefahrlos geübt werden.
Sollten auch nach einigem Training weiterhin massive Ängste bestehen, ist ein individuelles Coaching zu empfehlen.


 

9. Viele Menschen in Zug oder Flugzeug nutzen die Reisezeit ja auch für ihre Arbeit. Kann man den Smalltalk auch ablehnen, ohne dass sich der Gesprächspartner verletzt fühlt?

Christoph Dahms: Zumindest kann die Ablehnung so formuliert werden, dass möglichst wenig Porzellan zerschlagen wird. Achten Sie dabei unbedingt auch auf Ihren Wirkungsmitteleinsatz. Ein charmant freundliches Lächeln entschärft die Zurückweisung häufig auf eine sehr angenehme Art. Sprachlich hat es sich in der Praxis bewährt, zunächst eine Begründung zu formulieren, die mit dem Gesprächspartner nichts zu tun hat und dann den Smalltalk deutlich abzulehnen. Eine mögliche Formulierung ist beispielsweise: „Ich muss erst noch diesen Artikel zu Ende lesen, weil er für meine morgige Besprechung wichtig ist, und kann mich deshalb leider jetzt nicht mit Ihnen unterhalten.“, oder: „Da mir momentan noch ein wichtiges Problem im Kopf herum geht, für das ich schnell eine Lösung finden muss, habe ich im Moment bedauerlicherweise keinen Sinn für Smalltalk.“ Falls Sie die Szene noch weiter entspannen möchten, fügen Sie eventuell noch den Hinweis an, die Unterhaltung später vielleicht weiter zu führen. Falls das dann nicht mehr geschieht, macht es meistens auch nichts.
Die Wirkung einer Ablehnung auf andere Menschen ist nicht immer leicht vorher zu sehen. Sollte der andere höflich sein und hinreichende Bildung im Bereich Smalltalk haben, wird er Ihnen eine solche Ablehnung nicht übel nehmen und einfach akzeptieren. Es mag aber auch Zeitgenossen geben, die sich dann beleidigt abwenden, weil sie Ihre Reaktion als Angriff oder persönliche Zurückweisung wahrnehmen. Ein kleines Risiko bleibt also, auch wenn Sie noch so charmant und höflich ablehnen. Damit kann und sollte man leben.
Selten kann es auch im Smalltalk vorkommen, dass Menschen unangenehm aufdringlich und distanzlos sind. In diesen Situationen sind dann auch sehr deutliche sprachliche Zurückweisungen in Ordnung, die gegebenenfalls auch nicht alle Höflichkeitsregeln beachten. Falls Menschen häufiger mit diesen Abgrenzungen Schwierigkeiten haben, sollten sie sich mit dem Thema „Schlagfertigkeit“ beschäftigen.


 

10. In den Seminaren und Ihren Veröffentlichungen ist ja auch das Thema „persönliche Ausstrahlung“ wichtig, wozu neben den sprachlichen auch die körpersprachlichen Details gehören. Welche Tipps geben Sie Ihren Seminarteilnehmern hinsichtlich der Körpersprache?

Christoph Dahms: Häufig wird die erste Wirkung im Smalltalk über die nichtsprachlichen Wirkungsmittel erreicht. Gang, Haltung und Outfit werden schon aus der Distanz erkannt, bevor Mimik, Blick oder gar Sprache bedeutend werden. Deshalb ist der erste Eindruck, der vielfach über das weitere Geschehen entscheidet, durch diese „großen“ Wirkungen bestimmt. Es kommt also darauf an, sich hier gut zu präsentieren. Zum selbstbewussten Auftreten und zur attraktiven Wirkung könnten nun zahlreiche Detailbereiche angesprochen werden, die den Rahmen dieses Interviews sprengen würden. Lassen Sie mich deshalb vielleicht nur zwei grobe Hinweise geben, die auf jeden Fall beachtet werden sollten. Erstens ist es für die erste Wirkung, die in der Regel vor dem eigentlichen Smalltalk liegt, wichtig, selbstbewusst, positiv, höflich und offen zu wirken. Dazu gehört meistens ein gepflegtes zur Situation und zu sich selbst passendes Äußeres, eine aufrechte Haltung, freundliche Mimik und ein angenehmer Blickkontakt. Es werden für den Beginn des Smalltalks also die Regeln eingesetzt, die beispielsweise aus der Rhetorik zum sympathischen, offenen und selbstbewussten Auftreten bekannt sind.
Zweitens wird während des Smalltalks der Wirkungsmittelspiegel eingesetzt. Das bedeutet, dass der Wirkungsmitteleinsatz des Gesprächspartners zum Maßstab der eigenen Wirkungsmittel wird. Sie verhalten sich so, wie der Partner im Hinblick auf Haltung, Gestik, Mimik, Blickkontakt und Sprache. Dieses Verhalten wird in der Alltagskommunikation unbewusst dann eingesetzt, wenn Menschen sich gut verstehen. Deshalb fördert es auch im Smalltalk die Beziehung und sollte nach der Begrüßung so eingesetzt werden, dass es für den Gesprächspartner unbewusst bleibt.
Fakt ist, dass der Einsatz der nicht sprachlichen Wirkungsmittel beim Smalltalk sehr wesentlich ist. Insbesondere dann, wenn sich fremde Menschen begegnen.


 

11. Sie weisen in Ihrem Trainingsbuch zum Thema „Smalltalk“ darauf hin, dass häufig Spiele gespielt werden. Was sind genau Spiele im Smalltalk und wie sollte man sich verhalten?

Christoph Dahms: Spiele sind sprachliche Wettkämpfe, in denen es um den Sieg geht. In der Regel sind die Ursachen solcher Spiele Mindergefühle, die kompensiert werden sollen. Viele Menschen nutzen den Smalltalk, um sich überlegen zu zeigen und sich selbst zu inszenieren. Dazu werden zu den verschiedensten Themenbereichen Selbstdarstellungen geäußert, die von anderen möglichst nicht übertrumpft werden können. Beispielsweise spielen viele Menschen das Urlaubsspiel, bei dem es darum geht, dass man selbst viel tollere Reisen macht als alle anderen. Manche Menschen spielen das Erfolgsspiel. Dabei kommt es auf besondere Selbstdarstellung im Themenfeld Beruf an. Oder es werden Ökologiespiele gespielt, in denen es darauf ankommt, durch beispielhaft geringen Konsum seinen Einsatz für die Umwelt zu zeigen. Hier gewinnt, wer am wenigsten verbraucht.
Allen Spielen ist gemeinsam, dass derjenige gewinnt, der im Sinne des aktuellen Spiels am besten ist.
Auf die Spieleröffnungen anderer sind drei Fortsetzungen möglich, von denen ich hier zwei beschreiben möchte. Die erste Möglichkeit besteht darin, den anderen zu übertreffen, was natürlich nur dann geht, wenn man faktisch dazu in der Lage ist. Dieses Vorgehen sichert einem häufig die Anerkennung der anderen Spieler. Da in der Regel mehrere Spiele im Verlauf eines längeren Smalltalks gespielt werden, können sich die anderen Spieler revanchieren, sodass jeder mal gewinnt und sich gut fühlen kann.
Die zweite Möglichkeit besteht darin, die Stärke des anderen zu akzeptieren und sprachlich Beifall zu klatschen. Dann wird sich der „Sieger“ bestätigt und anerkannt fühlen, was die Beziehung stärkt.
Falls also im Smalltalk Kontakte geknüpft werden sollen, ist die zweite Variante am ehesten geeignet. Wenn Sie andere Menschen anerkennen, werden Sie als attraktiver Smalltalkpartner gefragt sein.


 

12. Was sind die wichtigsten Tipps für einen gelungenen Smalltalk?

Christoph Dahms: Lassen Sie mich hier vielleicht fünf Tipps zusammenfassen, die für die Menschen leicht zu beherzigen sind. Erstens sollten Sie eine positive Einstellung zum Smalltalk und zum Gesprächspartner finden. Wenn allein dieser Tipp hinreichend umgesetzt wird, werden viele Verhaltensweisen „automatisch“ richtig ablaufen.
Zweitens akzeptieren Sie, dass Smalltalk ein Angebot ist, und es völlig in Ordnung ist, wenn andere Ihr Smalltalkangebot ablehnen. Smalltalk ist als ein attraktives Spiel zu sehen.
Drittens erhöhen Sie Ihre Themenvielfalt für den Smalltalk. Gute Unterhalter können zu vielen Themen etwas beitragen.
Viertens setzen Sie Ihre Wirkungsmittel professionell ein, indem Sie nach einer kurzen Anfangsphase beginnen, den Smalltalkpartner zu spiegeln. Beachten Sie dabei, dass der Einsatz des Wirkungsmittelspiegels dem anderen Menschen nicht bewusst werden darf.
Fünftens verbessern Sie Ihre Zuhörfähigkeiten. Im Smalltalk erzählen viele Menschen gerne von sich selbst und benötigen auf der anderen Seite einen guten Zuhörer.
Herr Dahms, herzlichen Dank für dieses sehr aufschlussreiche Interview. Es war uns eine Freude mit Ihnen zu sprechen.
Dieser Text ist in ähnlicher Form in verschiedenen Zeitschriften erschienen und greift einige Fragen und Antworten aus Radiointerviews auf.

© Christoph Dahms, 2011